The Gallup Organization

PRESSEMELDUNG

Engagement am Arbeitsplatz in Deutschland auf unverändert niedrigem Niveau:
Nur 15 Prozent der Mitarbeiter hierzulande sind engagiert im Job - gesamtwirtschaftlicher Schaden immens

Potsdam, 10. September 2002 (mn) - 85 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland verspüren keine echte Verpflichtung ihrer Arbeit gegenüber, wobei 16 Prozent von ihnen "aktiv unengagiert" sind.1 Damit bleibt der Anteil der Gruppe der "unengagierten" und "aktiv unengagierten" Mitarbeiter gegenüber dem Jahr 2001 - als die Gallup GmbH Deutschland erstmals das Arbeitsplatzengagement hierzulande ermittelte - auf hohem Niveau stabil (84 %).

Von je 100 Arbeitnehmern in Deutschland waren/sind:

 

2001

2002

 

 

 

engagiert

16

15

Keine echte Verpflichtung der Arbeit gegenüber
2001: 84 %
2002: 85 %

 

{

unengagiert

69

69

 

aktiv unengagiert

15

16

Der aus dem in Deutschland fehlendem Engagement am Arbeitsplatz resultierende gesamtwirtschaftliche Schaden - aufgrund schwacher Mitarbeiterbindung, hoher Fehlzeiten und niedriger Produktivität - lässt sich auf Euro 211.4 bis 221.1 Milliarden pro Jahr taxieren. Diese Größenordnung entspricht fast dem gesamten Bundeshaushalt 2003 (Euro 246.3 Milliarden).2

Tendenziell ist fehlendes Engagement am Arbeitsplatz in Ostdeutschland verbreiteter als in Westdeutschland. Während sich der Anteil der als loyal und produktiv einzustufenden Mitarbeiter, die ihre Arbeit als befriedigend empfinden, in den neuen Bundesländern auf nur elf Prozent beläuft, beträgt dieser in den alten Bundesländern 16 Prozent. Keine echte Verpflichtung ihrer Arbeit gegenüber haben in Westdeutschland 84 Prozent der Arbeitnehmer, in Ostdeutschland 89 Prozent.

Von je 100 Arbeitnehmern in Deutschland sind:

 

West

Ost

 

 

 

engagiert

16

11

Keine echte Verpflichtung der Arbeit gegenüber

 

{

unengagiert

68

75

 

aktiv unengagiert

16

14

Weiterhin zeigt sich beim Arbeitsplatzengagement ein klarer Geschlechterunterschied: Der Grad des Engagements erweist sich bei Frauen als höher als bei Männern. So sind 19 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer, aber nur elf Prozent der männlichen Arbeitnehmer engagiert im Job. Im Hinblick auf Alter, formalen Bildungsgrad und Beschäftigungsstatus der Arbeitnehmer lassen sich keine Unterschiede ausmachen. Der Anteil der "engagierten" Mitarbeiter erweist sich über alle Alters- und Bildungsgruppen sowie im Hinblick auf das Beschäftigungsverhältnis hinweg als nahezu gleich groß. Es fällt jedoch auf, dass unter älteren Arbeitnehmern (45 Jahre und älter) die Gruppe der "aktiv unengagierten" deutlich größer ist als bei den jüngeren Arbeitnehmern (18 bis 30 Jahre) (21 % zu 10 %). Ähnlich verhält es sich im Bezug auf den formalen Bildungsgrad. Hier zeigt sich, dass unter Arbeitnehmern mit Volks- bzw. Hauptschulabschluß die Gruppe der "aktiv unengagierten" Mitarbeiter größer ist als bei solchen mit Abitur bzw. einem Hochschulabschluß (22 % zu 12 %). Ferner lassen sich "aktiv unengagierte" Mitarbeiter eher bei Teilzeit- als bei Vollzeitbeschäftigten ausmachen (21 % zu 14 %).

Von je 100 Arbeitnehmern in Deutschland sind:

 

Männer

Frauen

18-29 Jahre

30-44 Jahre

45 Jahre und älter

engagiert

11

19

16

14

14

unengagiert

73

66

74

72

65

aktiv unengagiert

16

15

10

14

21

 

Von je 100 Arbeitnehmern in Deutschland sind:

 

Volks- und Hauptschule

mittlere Reife

Abitur / Studium

Vollzeit

Teilzeit

engagiert

15

16

13

15

15

unengagiert

63

70

75

71

64

aktiv unengagiert

22

14

12

15

21

Der wichtigste Grund für das fehlende Engagement derart vieler Mitarbeiter ist schlechtes Management. Arbeitnehmer geben u.a. an, dass sie nicht wissen, was von ihnen erwartet wird, dass ihre Vorgesetzten sich nicht für sie als Menschen interessieren, dass sie eine Position ausfüllen, die ihnen nicht liegt, und dass ihre Meinungen und Ansichten kaum Gewicht haben.

Noch gravierender ist, dass Mitarbeiter wahrscheinlich immer unengagierter werden, je länger sie bei ihren Unternehmen bleiben. So verliert das menschliche Kapital - welches eigentlich durch Weiterbildung und Entwicklung wachsen sollte - zu oft an Wert, da Manager und Unternehmen es versäumen, aus dieser Investition Kapital zu schlagen.

Das Verhältnis von Fehltagen bei "aktiv unengagierten" Mitarbeitern zu "engagierten" Mitarbeitern liegt bei sieben zu fünf. Die Wahrscheinlichkeit, dass "aktiv unengagierte" Mitarbeiter ihr Unternehmen binnen eines Jahres verlassen, ist sehr viel höher als bei ihren engagierteren Kollegen. So stimmten der Aussage "Ich beabsichtige, heute in einem Jahr noch bei meiner derzeitigen Firma zu sein" nur 42 Prozent der "aktiv unengagierten" Mitarbeiter absolut zu, gegenüber 90 Prozent der engagierten. Das Ergebnis: Höhere Mitarbeiterfluktuation, die Unternehmen teuer bezahlen müssen.

Nur 17 Prozent der "aktiv unengagierten" Mitarbeiter sind gewillt, die Produkte oder Leistungen ihres Unternehmens weiterzuempfehlen, verglichen mit 64 Prozent der engagierten Mitarbeiter. Ähnlich verhält es sich bei der Frage nach der Weiterempfehlung des eigenen Arbeitsplatzes an Freunde und Bekannte ("aktiv unengagierte" Mitarbeiter: 3 % gegenüber "engagierte" Mitarbeiter: 59 %). Darüber hinaus sind die "aktiv unengagierten" Mitarbeiter gestresster als die "engagierten" Mitarbeiter (36 % zu 25 %); lediglich 20 Prozent planen, ihren Karriereweg bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber zu gehen - gegenüber 76 Prozent der "engagierten" - und sie haben weniger Spaß bei der Arbeit (13 % zu 75 %).

Den Ergebnisvergleich zu 2001 entnehmen Sie bitte nachfolgender Tabelle:

 

engagierte Mitarbeiter

unengagierte Mitarbeiter

aktiv unengagierte Mitarbeiter

 

2001

2002

2001

2002

2001

2002

Angabe: Mittelwerte